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„Die Dame in Rosa", Oma Rosa, wie Oskar sie nennt,
arbeitet als freiwillige Betreuerin auf einer Kinderkrebsstation
(in Frankreich tragen diese ehrenamtlichen Helferinnen in
den Kliniken rosa Kittel), dort gewinnt sie das Vertrauen
des an Leukämie erkrankten elfjährigen Oskar, der
nur noch wenige Tage zu leben hat, und fasst eine besonders
starke Zuneigung zu ihm, wie er zu ihr.
Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, erzählt sie ihm von den „Zwölf
Vorhersagenden Tagen", einer alten Sage, nach der man in den letzten
zwölf Tagen des Jahres die Geschehnisse der kommenden zwölf
Monate des nächsten Jahres vorhersagen kann. Sie bittet ihn, diese
Legende mit ihr zu spielen und jeden Tag so zu betrachten als wären
es zehn Jahre. Und sie rät ihm, damit er mit seinen Sorgen, Ängsten
und Nöten nicht so allein ist, „Briefe an den lieben Gott" zu
schreiben und ihn um Antwort, um Aufklärung, sogar um einen Besuch
zu bitten.
Nach seinem Tod findet Oma Rosa diese Briefe, in denen Oskar dem lieben
Gott tagtäglich seine letzten Tage beschrieben hat, natürlich
wird er jeden Tag älter, er hat also ein ganzes „Männerleben" mit
all seinen Krisen erlebt. Und das Schreiben dieser Briefe verschafft
ihm eine innere Ruhe, was nicht heißen soll, dass er an seinem
Schicksal nicht leidet.
Aber durch Oma Rosa erfährt er, dass der Tod, auch seiner, kein
Scheitern ist und dass auch für ihn, den kleinen Oscar, die großen
Fragen des Lebens wie Einsamkeit, Leben und Tod, Träume, Sorgen,
Glück und Gott wichtig sind. Und sanft, von Oma Rosa und durch seine
Briefe an Gott geleitet, lernt er den Tod als einen Teil des Lebens zu
akzeptieren.
Eric-Emmanuel Schmitt ist mit diesem Text, seinen „Briefen an den
lieben Gott", einer Mischung aus Bericht, Erzählung, Monolagen,
Dialogen zwischen Oskar, seinen Kumpels, seiner „Frau" Peggy
Blue, seinen Eltern; dem Arzt und natürlich Oma Rosa ein Werk gelungen,
das mal grimmig, mal lakonisch, aber stets mit Charme und Leichtigkeit
die „letzten Dinge" behandelt.
Ein bewegendes Stück, um so kostbarer, als es die Waage hält
zwischen Witz und Sentiment, zwischen nüchterner Schilderung und
warmherziger Erinnerung. Jeder Brief ist eine Miniatur der Melancholie,
eindringlich und komisch zugleich, von denen insgesamt ein ganz eigenartiger,
zwischen Authentizität und Geflunker pulsierender Sog ausgeht.
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