Irgendwo in Afrika. Ein Entwicklungshelfer und seine Frau
blicken auf vierzehn Jahre zermürbenden Kampfes gegen
die Armut des Landes, den Hunger, gegen den unwirtlichen
Boden und gegen politische Korruption zurück. Wie um
das Elend auszublenden, haben sie sich mit den Jahren immer
mehr in einer Siedlung für Weiße verbarrikadiert
wie in einem Bunker: Einen Tag vor ihrer endgültigen
Abreise nach Europa bleibt ihnen nichts als Resignation.
Sie stehen vor den Ruinen ihrer Arbeit. Die Geschichte ihres
Scheiterns ist auch die Geschichte ihrer Schuldgefühle,
sich unter dem Vorwand zu helfen, schamlos bereichert zu
haben. Wie schlafende Hunde erwachen böse Erinnerungen.
Leichen liegen im Fundament ihres Wohlstandssicherheitstrakts.
Wer war der Afrikaner, der eines Tages ermordet auf der Treppe
gefunden wurde? Seine Kehle von einem Pfeil durchbohrt! Ein
Ritualmord, eine Hinrichtung? Was wissen die schwarzen Bediensteten,
die erniedrigten Hüter des Hauses, die sich wie unsichtbare
Geister durch die Räume des Hauses bewegen und nachts
an ihren Feuern hocken und über die Weißen lachen?
Afrika schlägt zurück. Wie ein surrealer Zauber
drängt sich Afrika über die Schwellen des Hauses,
bedrohliche Geräusche rücken näher. Mit seinem
Stück „Antilopen" erweist sich Henning Mankell
einmal mehr als scharfer Kritiker des westlichen status quo. „Antilopen" ist
ein Krimi-Drama, das durch seine poetisch-kraftvollen und
surrealen Bilder verführt und durch seine schonungslose
Kritik überzeugt. Und er erzählt von unüberwindlichen
kulturellen Unter schieden. Wer kennt Henning Mankell nicht,
den Bestsellerautor, der die inzwischen zu Kult-Krimis avancierten
Romane um den Polizisten Kurt Wallander schrieb. Der Regisseur,
Autor und Intendant wählte Maputo in Mosambik zu seiner
zweiten Heimat. In Afrika entwickelte der Schwede seine kritische
Distanz zu Europa. Mankells Krimis („Die weiße
Löwin", „Die Brandmauer") führen
aus der schwedischen; Bilderbuchwelt, die aber auch für
jedes andere reiche Land in Europa stehen könnte, in
die „Dritte Welt".
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